Ist Mobbing Teil des Systems Max Planck?

Im Dezember 2012 erhielt der damalige Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie Post von Peter Gruß, dem damaligen Präsidenten der Max-Plack-Gesellschaft. Dieses Schreiben lässt vermuten, dass systematisches Mobbing zum Handlungsspektrum der MPG gehört.

Laut Wikipedia steht Mobbing oder Mobben im engeren Sinn für „Psychoterror am Arbeitsplatz mit dem Ziel, Betroffene aus dem Betrieb hinauszuekeln.“ Im weiteren Sinn bedeutet Mobbing, andere Menschen, in der Regel ständig bzw. wiederholt und regelmäßig, zu schikanieren, zu quälen und seelisch zu verletzen, beispielsweise […] am Arbeitsplatz […]. Typische Mobbinghandlungen sind die Verbreitung falscher Tatsachenbehauptungen, die Zuweisung sinnloser Arbeitsaufgaben, Gewaltandrohung, soziale Isolation oder ständige Kritik an der Arbeit. Und wie es der Teufel so will, verdanken wir die Beobachtung eines solchen Verhaltens einem Max-Planck Forscher, der dies zuerst beschrieben hat. Der ehrwürdige Konrad Lorenz nannte das Vertreiben potentieller Feinde durch laute Alarmrufe bei Vögeln Hassen. Der Begriff Mobben wurde 1969 vom Schweden Peter-Paul Heinemann geprägt. Er gab damit dem Verhalten, Aussenseiter der Gesellschaft zu Drangsalieren, um so den Gruppenzusammenhalt zu festigen, oder ein anderes Ziel zu erreichen, einen Namen.

Doch was hat dies mit einem Schreiben von MPG Präsident Peter Gruß an den scheidenden Direktor des MPI für Psychiatrie, Florian Holsboer, zu tun? Eine ganze Menge, wie ich meine. Beginnen wir mit dem unvorhersehbaren, der unglaublichen Tatsache, dass jede Episode einen Anfang und ein Ende hat. So verhält es sich auch, man glaubt es kaum, mit der Regentschaft von Max-Planck Direktoren und Max-Planck-Präsidenten. Alles hat ein Ende.

Ärgerlicherweise trafen hier zwei Enden zusammen. Das Dienstzeitende des MPI Direktors Holsboer mit dem des MPG Präsidenten Gruß. Mehreren Hinweisen nach war das Verhältnis der beiden nicht das Beste. Es ging, wenn man so will, um von Holsboer hinterlassene Altlasten, unbefristet angestellte Wissenschaftler, also um Menschen. Der Präsident war offenbar verärgert, dass Holsboer einen guten Teil seines wissenschaftlichen Leitungspersonals entfristet hat. Somit konnte der Präsident Holsboers potentiellen Nachfolgern kein leeres, von Altlasten befreites Institut, übergeben. Seitens der MPG war zu befürchten, dass die Nachfolger Holsboers, dem Institut kein eigenes Gepräge geben könnten.

Um Holsboer den schwarzen Peter, welch nettes Wortspiel, zuschieben zu können, erhielt dieser im Dezember 2012 einen Brief von Gruß. In diesem Brief heißt es: „Bitte weise bereits jetzt die unbefristet angestellten wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Datum und mögliche Folgen Deiner Pensionierung hin.“

Holsboer hat dies natürlich unterlassen. Dennoch stellt sich die Frage, was der schwarze Peter hiermit vermitteln möchte. Sollte Holsboer seinen Mitarbeitern mitteilen: Entweder Du gehst, oder Du wirst gegangen? Unterstrichen wird diese Vermutung im weiteren Verlauf des Briefes. Dort heißt es: „Falls sich keine adäquaten Entwicklungsmöglichkeiten im Institut ergeben, solltest Du Deine wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nachhaltig bei ihrer beruflichen Neuorientierung unterstützen.“

Leider unterblieb sowohl der „Hinweis auf die Folgen“ als auch die „nachhaltige Unterstützung“ und die Mitarbeiter ahnten nicht, wie ihnen geschehen wird und verließen sich auf die Erfüllung des bestehenden Arbeitsvertrags auch seitens der MPG. Dennoch wurde Gruß‘ Verheißung wahr. Zunächst mußten die Nachfolger schnell bestimmt werden. Man gewinnt den Eindruck, dass Gruß die Nachfolge Holsboers noch in seiner Dienstzeit erledigt wissen wollte. Und so geschah es auch. Schnell wurde mit Elisabeth Binder, ein Hausgewächs mit wenig Erfahrung in Mitarbeiterführung, eine erste Kandidatin gefunden und zur Direktorin berufen. Ihr folgte mit Alon Chen ein bis dahin eher unbekannter israelischer Wissenschaftler, welcher bis heute bevorzugt in Israel weilt. Die Klinik sollte von einem Chefarzt geführt werden, der kein wissenschaftliches Mitglied der MPG werden sollte. Die Wahl fiel auf den umstrittenen Martin E. Keck. Er war, warum auch immer, Gerüchten zufolge der Wunschkandidat von Binder; beide kannten sich, aus Kecks erster MPI-Zeit um die Jahrtausendwende. Offenbar versprach Gruß sich durch diese Konstellation, den Einfluss der Klinik auf das Institut zu minimieren. Doch hier irrte sich Gruß gewaltig. Mit der Wahl Kecks hat er sich und vor allem den Mitarbeitern des Instituts wahrlich keinen Gefallen getan. Und der Direktorenposten für die klinische Forschungsabteilung? Dieser ist bis heute vakant.

Aus gut unterrichteten Kreisen ist zu erfahren, dass die MPG keinerlei Referenzen zur Personalie Keck eingeholt hat. Mit anderen Worten: Ein Berufungsverfahren, wie sonst üblich, hat Keck nicht durchlaufen. Gruß hat sich einfach auf Binders Empfehlung verlassen und ahnte nicht im Entferntesten, welche Arbeitsbedingungen unter diesem Führungstrio einkehren werden.

Mit Keck verpflichtete Gruß einen richtigen Ausputzer. Einer, der der unerfahrenen Führungskraft Binder mit Rat und vor allem mit Tat zur Seite stand und steht und diese von Außen betrachtet komplett beherrscht. Auch aus der Schweiz, wo Keck etwa 10 Jahre tätig war, sind gerüchtweise vornehmlich negative Berichte über ihn zu hören. Vermutlich atmete man dort zufrieden auf, als die MPG diese Person als Chefarzt verpflichtete.

Doch nun zurück zum Thema. Systematisches Mobbing bei der MPG. Das uns vorliegende Schreiben von Gruß an Holsboer, ist unseren Recherchen nach eher die Norm, denn die Ausnahme bei Direktorenwechseln. Man gewinnt den Eindruck, dass neue Direktoren mit diesem Wissen geimpft werden und seitens der Generalverwaltung auch massiv in ihrem Tun unterstützt werden.

Übertragen auf das MPI für Psychiatrie heißt dies: Die Ausputzer Binder, Chen und allen voran Keck konnten mit ihrem perfiden Spiel beginnen. Die unliebsamen Mitarbeiter wurden wohl schon sehr früh ins Visier genommen. Es wurden systematisch Akten angelegt, in welchen die Schandtaten dieser schwarzen Schafe gesammelt wurden. Den Mitarbeitern wurden, insbesondere von Binder und Keck, Fallen gestellt, um an kündigunswürdiges Material zu kommen. Einige Mitarbeiter wurden daraufhin fristlos gekündigt, die anfallenden Abfindungen zahlt – der Steuerzahler. Andere Mitarbeiter wurden ohne Unterrichtung des Betriebsrats versetzt. Wieder andere wurden, vor allem durch den Psychiater Keck und seine beiden Kurschatten Beitinger und Schilbach, gedemütigt und beleidigt. Vorwürfe gegen Keck, wie die bei VroniPlag zu überprüfende Plagiatsaffäre oder die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wegen Abrechnungsbetrug wurden von der MPG-Führung, insbesondere dem Präsidenten Stratmann und dem aalglatten Generalsekretär der MPG, Rüdiger Willems, als Schmutzkampagne von frustrierten Mitarbeitern abgetan. Als würde die Staatsanwaltschaft eine Schmutzkampagne unterstützen, und aus dieser Motiviation heraus einen Durchsuchungsbeschluss erwirken können – absurd.

Warren BuffetAus einem Vortrag des MPG-Compliance-Beauftragten.

Doch während die MPG den Chefarzt bis zum letzten Gefecht unterstützt und vor den bösen Mitarbeiter in Schutz nimmt, können er und seine Ausputzer weiter mobben wie bisher. Kein: „hört auf!“, vielmehr ein „weiter so!“ seitens der MPG. Und alles vom Steuerzahler alimentiert. Das ist ein totales Versagen der Führungselite der Max-Planck-Gesellschaft, die sich gerne als einer der besten Arbeitgeber Deutschlands präsentiert.

Man sieht, Mobbing ist eine Spezialität der Max-Planck-Gesellschaft. Mobbing bei der MPG kann sogar als systematisch betrachtet werden, da die Generalverwaltung alles tut, damit die Direktoren walten können, wie sie wollen. Eine Kontrolle der Direktoren findet nicht statt und die Fürsorgepflicht gegenüber den Mitarbeitern existiert de facto nicht. Der Kreis schließt sich und es liegt einem auf der Zunge: Die MPG – das Alpha und das Omega des systematischen Mobbings.

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3 Kommentare zu „Ist Mobbing Teil des Systems Max Planck?

  1. Akademisches Mobbing ist ein gravierendes Problem weltweit:
    http://www.antimobbing.info/information/index.html
    Der Fisch stinkt vom Kopf: Dies trifft zurzeit auf etliche akademische Organisationen wie die MPG und Universitäten in Graz und Zürich zu. Wichtig ist, dass passive Zuschauer von Mobbing sich am Mobbing beteiligen so wie Schaulustige von verletzten Personen ihre Pflicht zur Leistung Erster Hilfe vernachlässigen.

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  2. Kann ich bestätigen. Kann aber leider nicht mehr gehen. Es ist traurig. Aber Geld regiert nunmal die Welt sowie Freundschaften auf höchster und internationaler Ebene. Keine Krähe hackt der anderen ein Auge aus. Man empfiehlt sich doch gegenseitig …

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