Chronologie des Versagens

Die Chronoliogie des Versagens der Max-Planck-Gesellschaft wird kontinuierlich komplettiert.

Juli 2014 Professor Keck wird als neuer Chefarzt des MPI für Psychiatrie (MPIP) vorgestellt. Es heißt, er sei noch ein weiteres Jahr an den Schweizer Klinikbetreiber Clienia gebunden, als ärztlicher der Direktor der Schlössli-Klinik in Oetwil am See. An zwei Tagen in der Woche nimmt er seine Aufgaben als Chefarzt in München wahr.

Oktober 2015 Die Süddeutsche Zeitung berichtet über den geplanten Abriss eines Mitarbeiterwohnhauses um Fläche für den von Keck geplanten Klinikneubau zu gewinnen. Dieser soll rund 60 Mio. Euro kosten. „Die Klinikleitung lasse die Mitarbeiter spüren, dass sie Verständnis erwarte“.

März 2016 Ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO entlastet Keck von dem annonym erhoben Vorwurf, nachträglich Privatabrechnungen manipuliert zu haben, stellt jedoch gleichzeitig folgendes fest: „In der Vergangenheit ist es allerdings im Hinblick auf die höchstpersönliche Leistungserbringung zu Auffälligkeiten gekommen. Insbesondere zu der Zeit, in der der Leiter der Klinik noch sowohl an seiner alten Wirkungsstätte als auch im Max-Planck-Institut tätig war, ist nicht davon auszugehen, dass die persönliche Leistungserbringung in dem abgerechneten Umfang tatsächlich geleistet werden konnte“. Wenig später wird der Verwaltungsleiter entlassen, der die Generalverwaltung der MPG wiederholt über Unregelmäßigkeiten hinsichtlich der Geldflüsse aufmerksam gemacht hat. Das MPIP soll die kommenden zwei Jahre ohne unabhängige Verwaltungsleitung auskommen. Im Münchner Wochenanzeiger erscheint ein Artikel über den Fund von beigesetzt geglaubten Hirnschnitten von Euthanasie-Mordopfern am MPI für Psychiatrie. Die Direktoren zeigen sich „entsetzt, dass es in unserem Archiv noch immer Präparate von Euthanasie-Mordopfern gibt, die 1990 nicht bestattet wurden“.

Mai 2016 In der Süddeuschen Zeitung erscheint der Artikel „Plagiatsvorwurf gegen Münchner Klinikchef„. Die Max-Planck-Gesellschaft, die Ludwig-Maximilian Universität und die Universität Utrecht (NL) leiten Verfahren ein, um zu überprüfen ob Keck gegen die Regeln der wissenschaftlichen Praxis verstoßen hat. Weite Teile seiner, am MPI für Psychiatrie erstellten, Habilitationsschrift weisen Doppelungen mit der Dissertation einer Doktorandin auf. Desweiteren nutzte er die Datensätze für eine Dissertation an der Universität Utrecht (NL). In einer Mail an die Mitarbeiter schreibt das Direktoren-Kollegium unter anderem: „Leider sind diese Vorwürfe kein Einzelfall. Bereits seit einigen Monaten bringt ein interessierter Personenkreis gezielt anonyme E-Mails in Umlauf, in denen unter anderem Herr Keck Opfer immer neuer, zum Teil absurder Anschuldigungen wird“. Die MPG reagiert mit einer Anzeige gegen Unbekannt.

Juni 2016 Das Kollegium des Instituts informiert die Mitarbeiter über die Einstellung des Verfahrens an der Universität Utrecht wegen wissenschaftlichen Fehlverhaltens mit folgenden Worten: „Die Universität Utrecht hat ihre Untersuchung nun abgeschlossen und mitgeteilt, dass sich die Vorwürfe nicht als stichhaltig erwiesen haben und keinerlei Hinweise auf Fehlverhalten zu finden sind. Sie hat daher das Verfahren eingestellt“. In einer an die Mitarbeiter anonym verschickten E-Mail mit dem Antwortschreiben der Universität Utrecht, geht jedoch zunächst hervor, dass das von der Universität verwendete Plagiats-Entdeckungs-Tool nicht angeschlagen hätte – Anmerkung: Die Dissertation ist in Englisch, die Habilitation in Deutsch verfasst. Desweiteren gibt die Universität Utrecht an, dass der Hinweisgegeber, aufgrund der anonym erhobenen Vorwürfe und der Tatsache, dass die Vorwürfe nicht vertraulich erhoben wurden, als solcher nicht akzeptiert werde. Daher wird eine weitere Untersuchung der Arbeit abgelehnt.

September 2016 Der Spiegel berichtet in dem Artikel „Chefarzt verlangt Wucherhonorar,“ dass Keck beabsichtige den 7,5-fachen Satz von ausländischen Selbstzahlern zu verlangen. Begründet wird dies mit einem „erhöhten Kommunikationsaufwand“. In einer Mail verbreitet das Direktoren-Kollegium, dass die in deutsch verfasste Wahlarztvereinbarung noch keinem „deutschsprachigen Patienten“ vorgelegt wurde, und bei Bedarf in die jeweilige Landessprache des Patienten übersetzt werde. Dies Widerspricht jedoch der Anweisung, welche Keck im August 2016 via Mail an seine Ärzte verbreiten ließ. Dort heißt es: „ab sofort gilt die neue Honorarvereinbarung für ausländische Selbstzahler. Das Dokument befindet sich im Anhang. Für Psychiatrische Behandlung, PPB und den Arztbrief wird 7,5facher Satz abgerechnet“. Keck selbst schreibt nach Erscheinen des Artikels an Freunde und Kollegen eine Mail mit folgendem Inhalt: „Meine Feinde schlafen nicht und haben offensichtlich in der Journaille willige und gute Verbündete. […] ….für Schweizer ohnehin kaum verständlich, auch mit 7,5fachen Satz käme ein Stundensalär von maximal 150-200 € zustande. Unserer Einschätzung nach ein weiterer, deutlicher Einschüchterungsversuch in der Euthanasie- und Restrukturierungs-Angelegenheit“.

Februar 2017 Die Staatsanwaltschaft München I durchsucht Räumlichkeiten im Max-Planck Institut für Psychiatrie, transportiert Akten ab und spiegelt Datenträger. Wegen des Verdachts auf Abrechungsbetrug wird gegen Professor Keck ermittelt. Das Direktoren-Kollegium lässt per Mail im Institut folgendes verbreiten: „Den Vorwürfen, die die Abrechnungspraxis in unserem Hause betreffen, geht die Staatsanwaltschaft nun nach und prüft sie auch zur Entlastung der Betroffenen, was wir ausdrücklich begrüßen. Aus diesem Grund ist heute auch ein Team der zuständigen Behörden in unserem Haus, um Einsicht in die entsprechenden Unterlagen zu nehmen. Wir arbeiten eng mit den Behörden zusammen, um schnellstmöglich vollständige Transparenz über alle Vorgänge herzustellen und eine restlose Aufklärung aller Vorwürfe zu beschleunigen“. Der Journalist Jan-Martin Wiarda titelt in seinem Blog: „Polizei durchsucht Institut, und Max Planck sagt: Danke

März 2017 Das MPI für Psychiatrie feiert sein 100jähriges Bestehen. Im Spiegel erscheint ein offensichtlich von Keck lancierter Artikel, der das das Auffinden von T4-Opferpräparaten im Archiv des Institus thematisiert. Ziel des Artikels ist die desavouirung der verantwortlichen Mitarbeiter aufgrund der Euthanasie-Angelegenheit. Keck ist sich offensichtlich nicht zu schade, im Schlußwort mit einer Lüge zitiert zu werden. Sein Leitender Oberarzt, Dr. Beitinger, und sein Geschäftsführender Oberarzt, PD. Dr. Dr. Schilbach, betreiben, per Verteiler-E-Mail, Mitarbeiter-Bashing mit Hinweisen auf den Artikel und das angebliche Versagen des Mitarbeiters. Rüge: Fehlanzeige! Stattdessen wird dem Archivleiter nach fast 30 Jahren am Institut fristlos gekündigt, obwohl, laut Süddeutscher Zeitung, er es war, der die MPG „in E-Mails auf die Existenz fragwürdiger Objekte hingewiesen habe„. Hierzu dankt MPG-Präsident Stratmann der Institutsleitung in seiner Laudatio zur 100jahr-Feier ausdrücklich für die gertoffenen „organisatorischen Konsequenzen.“ Einen Tag später zeigt das Bayerische Fernsehen im Politmagazin Kontrovers einen vernichtenden Beitrag. Die Reaktion der Geschäftsführenden Direktorin in einer Mail an Mitarbeiter: „Als geschäftsführende Direktorin stelle ich mich hinter meine Direktoriums-Kollegen und hinter Sie alle“. Trotz aller öffentlicher Kritik verabschiedet der Senat der MPG im selben Monat eine neue Satzung des Max-Planck Instituts für Psychiatrie, in welcher die ohnehin schon ungeöhnlich umfangreiche Macht des Klinikleiters erheblich gestärkt wird. Wenig später beschäftigt sich die Gemeimsame Wissenschaftskonferenz (GWK) mit dem MPIP. Herr Willems, Generalsekretär der MPG, setzt die Mitglieder der GWK darüber in Kenntnis, dass die Vorwürfe gegen Professor Keck falsch seien. Eine Kampagne.

Mai 2017 Die Süddeutsche Zeitung berichtet erneut über den Widerstand zum Klinikneubau. Veranschlagte Kosten: 70 Mio. Euro. Zu den Vorwürfen des Verdachts auf Abrechnungsbetrug schreibt die Süddeutsche: „Keck sieht das ‚gelassen: Wir haben unsere Abrechnungspraxis von zwei Wirtschaftsprüfern checken lassen, sie hatten nichts zu beanstanden.‘ Man habe ’nichts zu verbergen'“.

August 2017 Der Tagesspiegel berichtet über den ungewöhnlichen Anstellungsvertrag Kecks am MPI für Psychiatrie, welcher ihm einen Verlustausgleich zu Lasten der MPG bei sinkenden Privaterlösen verspricht. Keck geht gerichtlich gegen den Artikel vor und erwirkt, dass dieser vom Tagesspiegel offline gestellt werden muss. Das MPI unterrichtet die Mitarbeiter via Mail durch die Pressesprecherin wie folgt: „Da immer wieder die gleichen Vorwürfe gemacht werden, die wir alle entkräften konnten, gehen wir nun juristisch gegen den Verlag und gegen den Autor vor“.

Dezember 2017 Eine Kommission der Ludwig-Maximilian Universität sieht durchaus textliche Überschneidungen zwischen Kecks Habilitationsschrift und der Dissertation einer Doktorandin, erkennt jedoch „kein bewusstes oder grob fahrlässiges Verhalten“. Wenig später wird auch das Ergebnis der MPG-Prüfkommission bekannt: Kein Fehlverhalten.

2018 Nach über 2 Jahren ohne Verwaltungsleitung nimmt Frau Kolbe ihre Tätigkeit am Max-Planck Institut für Psychiatrie auf.

Juli 2019 Präsident Stratmann entlässt zu Beginn der Sommerferien Professor Dr. Dr. Keck aus seiner Funktion als Klinikleiter des Max-Planck Instituts für Psychiatrie.